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Schafzucht

Die Schafzucht war für die Insel schon immer von großer Bedeutung, weil das Schaf eine größere Widerstands- und Anpassungsfähigkeit gegenüber Rindern und Ziegen aufweist. Hier auf den Inseln betreibt man exten­sive Schafzucht, die sich seit Jahrhunderten nicht verändert hat. Die Schafe grasen das ganze Jahr auf den Feldern in vielen Parzellen („Ograjice"), die von einer Mauer umgeben sind. Die einzelnen Parzellen reichten für die Nahrung der Schafe nicht aus, daher mußten sie von einer zur anderen Parzelle getrieben werden. Das hatte den Vorteil, daß sich die Veg­etation erholen konnte und die Schafe genügend Nahrung hatten.

Die Schafe sind jedem Wetter ausgesetzt, vom Schnee und dem kalten Nordwind Tramontana bei Bell, bis zur starken Sonne und der stürmischen Bora bei Orlec und Belej. So kann man sich gut vorstellen, daß die Schafe ständig auf der Suche nach Schutz vor Wind oder Sonne sind. Es ist sogar laut Creser Statut streng verboten, einzeln stehende Wacholderbäume zu fällen, da deren dichtes Geäst den Schafen einen idealen Schutz vor Wind, Regen, Sonne und Sturm gibt.Diese Art der Schafzucht erlaubte auch unter anderem das Weiterleben des Gänsegeier, der ausschließlich von Aas lebt, darum richtet sich die Zahl der Gänsegeier immer nach der Zahl der Schafe, denn die Gänsegeier hätten ohne die Schafe keine Überlebenschance.

Die Schafzucht stellt zwar nicht mehr die Haupteinnahmequelle der Inselbewohner dar, ist heute aber dennoch für die Einwohner kleinere Siedlungen und Dörfer ein zusätzlicher Verdienst. Das Schaf liefert sehr viele Produkte: Käse, Fleisch, Wolle, Leder und Fell.

Es ist sehr schade, daß der bei vielen beliebte Schafskäse immer seltener hergestellt wird. Einer der Gründe ist sicherlich die veraltete Herstellungs­methode, die nicht schnell genug und rentabel ist. Probieren Sie, wenn Sie Gelegenheit haben, diesen guten Schafkäse und Spezialitäten vom Lamm, die in vielen Speiselokalen reichlich angeboten werden. Köstliche Gerichte vom Lamm können Sie das ganze Jahr über auf den Speisekarten guter Restaurants finden, im Gegensatz zum Schafskäse, der fast nur im Frühjahr zu bekommen ist.

Das nächste Produkt vom Schaf werden Sie sicher auf Ihren Ausflügen entdecken: das Schaf- oder Lammfell. Die Felle werden gegerbt und weiterverarbeitet und als Souvenir erkauft. Im alten Städtchen Lubenice können Sie mit Sicherheit immer Felle finden. Ein sehr interessantes Erlebnis ist die Schafschur, die im Juni und im Juli stattfindet. Die Schur ist fast immer noch die gleiche Prozedur wie vor 1000 Jahren. Die dabei gewonnene Schafwolle wird für die Weiter­verarbeitung verkauft. Da sie voll mit Dornen gespickt ist, eignet sie sich schlecht für eine Eigenverarbeitung. Pullover aus Schafwolle sind daher eine Seltenheit.

Ein Sommergast wird sich sicher fragen, wo denn die vielen Schafe geblieben sind (ungefähr 30.000). Eigentlich genügt es schon sich vorzustellen, wie man sich im Hochsommer in einem dicken Wollmantel fühlt. Sicherlich werden sie sich im Schatten der Bäume und Sträucher verstecken, aber auf den kahlen Steinweiden,wo weit und breit kein hoher Baum, zu finden ist, stecken sie ihre Köpfe in die Kräuter.

So sitzen sie unbewegt wie eine Statue und beginnen erst am Abend, wenn es wieder kühler wird, die Kräuter zu fressen. Auffallend sind auch die bunten Flecken auf ihren Fellen. Sie dienen den Besitzern als Erkennungszeichen. Als eindeutiges Besitzerzeichen erkennen Sie den „Beleg" am Ohr jedes Schafes, damit können Sie die Besitzer ausfindig machen. Das kann nötig sein, falls ein Schaf verletzt ist oder in einen Autounfall verwickelt wird. Bitte wenden Sie sich bei einem Zusammenstoß mit einem Schaf an die zuständige Polizei.