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Schiffarten und Schiffsbau

Da die Kvarner Inseln in Küsten­nähe und auch in unmittelbarer Nähe zu anderen Inseln liegen, kann man annehmen, daß das Seewesen schon vor langer Zeit bestand, auch wenn es diesebzüglich keine eindeutigen archäologischen Funde gibt. Ein bootsähnliche Objekt, das vor einigen Jahrenin der Nähe von Osor im Sandschlamm gefunden wurde, konnte diese Annahme bestätigen. Es handelt sich dabei um einen ausgehöhlten Baumstamm.

Archäologen schließen aus der Bearbeitung und aus dem Alter des Holzes, daß dieser Fund aus der vorgeschichtlichen Zeit stammen könnte. Dieses prähistorische Boot befindet sich im Museum in Osor.
Die Phönizier, die als tüchtige Seefahrer berühmt waren, und später auch die Griechen, haben unsere Inseln sicherlich befahren. In der Literatur der Antike werden von den Geschichtsschreibern Inseln und Gegenden beschrieben, die den unseren sehr ähnlich sind.

Das Volk, das damals die Inseln besiedelte, gehörte zu der illyrischen Volksgruppe der Liburner.
Die Liburner waren ausgezeichnete Seeleute und ihre schnellen Schiffe haben sogar den römischen Schiffsbau beeinflußt, der zu dieser Zeit mehr und mehr zunahm. Eines der Schiffe, die die Römer nach liburnischem Vorbild bauten, nannten sie „Liburna".

Der damalige Name der Inselgruppe „Apsyrtides " wird nicht ohne Grund mit dem Auftreten der Griechen in Verbindung gebracht. Zuverlässige Informationen über die Seewege der griechischen Seefahrer bekommt man erst aus den letzten Jahrhunderten vor Christi.Dann folgte die römische Besetzung der Inseln. Die Bewohner wurden gezwungen, in der römischen Flotte zu dienen. Den Römern kam die Erfahrung der Liburner Seeleute zugute, sie nutzten diese für ihre weiteren Eroberungszüge. Genau aus dieser Römerzeit gibt es viele Hinweise, wie z. B. die antiken Städte Bell, Lubenice und die vielen Spuren aus der Stadt Osor,das damals ein Zentrum der Seefahrt darstellte. Die damals bekannte Art zu segeln, nämlich immer dem günstigen Wind nach, die geschützten Häfen und Buchten um Osor sind die Hauptgründe für die Entwicklung und Bedeutung Osors.

Nach dem Fall des römischen Reiches blieb Osor auch weiterhin ein wichtiges Inselzentrum für die Schiffahrt bis zum 15. Jahrhundert. Danach übernahm die Stadt Cres die Führung.Unter anderem gibt es zwei wichtige Gründe, die dazu geführt haben: Zum einen wurden immer größere und sichere Schiffe gebaut, zum anderen wurde die Segeltechnik immer weiter verbessert, das sogenannte Kreuzen.

Auch wenn sich die ersten kroatischen Stämme im Laufe des 7. Jahrhunderts nach Christi ansiedel­ten, gibt es keine schriftlichen Überlieferungen bis zum Ende des 15. Jahrhundert, daß sie zur See fuhren.Der erste Lošinjer, der in den Dokumenten als Seemann aufgeführt wurde, war Jakob Gladulic aus Veli Lošinj, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebte. Man nannte ihn „Patron", das bedeutete, daß er Besitzer eines kleinen Küstenschiffes war. (Branko Kojić, Otočki Ljetopis 2).

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Seefahrt immer weiter. Aus den einst kleinen Dörfern Veli und Mali Lošinj entstanden große Seehäfen. Im Jahre 1754 besaßen Veli und Mali Lošinj zusammen 105 Schiffe, davon 98 kleinere, die meisten jedoch „Tartane" und „Trabakuli", und 7 größere Küstensegler.Hauptsächlich transportierte die schon recht große Lošinjer Handelsflotte Holz, Wein und eh von der kroatischen, dalmatinischen und albanischen Küste nach Venedig.

Als bestes Geschäft des Lošinjer Schiffsbaus erwies sich der Handel mit Salz, das aus den Salinen Manfredoniens und Barlette nach Kroatien verschifft wurde. (Branko Kojic Promorstvo Lošinja, Otočki Ljetopis 2). Die folgenden Napoleonfeldzüge und die damit verbundenen militärischen und politischen Nachwirkungen für Europa hatten großen Einfluß auf das Leben an der Ostadria. Die weitere Entwicklung des jungen und fortschrittlichen Lošinjer Schiffsbaus wurde gebremst.

Alle Adriainseln wurden nach dem Fall der Venezianischen Republik und dem Frieden von Campoforte 1797 Österreich zugesprochen. Damals gab es allein in Veli Lošinj 24 Kapitäne großer Handelsschiffe, wo sich große Schiffahrtslinien entwickelten. Im Gegensatz dazu übernahmen auch kleinere Orte wie Cres und Nerezine die Führung in der Küstenschiffahrt. Aber 1799 wurde der Krieg fortgesetzt und brachte neue Probleme. Mit dem 1805 geschlossenen Frieden von Preßburg wird Lošinj, das zuvor dem italienischen Königreich angeschlossen war, ein Teil des französischen Imperiums und im Jahr 1809 zur illyrischen Provinz erklärt. Die Schiffseigner von Mali und Veli Lošinj besaßen in diesen Jahren 300 Schiffe, davon 140 „Nave", „Brigatini" oder größere Segler.

Die Lošinjer Flotte erlitt durch die Napoleonfeldzüge einen schweren Rückschlag. Zwischen 1806 und 1813 besetzten englische und französische Kriegsschiffe mehrere Male die Lošinjer Häfen. Auch vor den Piraten auf dem Meer gab es keine Sicherheit mehr, zudem konnte man nach Kriegsrecht sein Schiff durch Enteignung verlieren. Nach der Niederlage Napoleons bei Leipzig 1813 wird Lošinj wieder Osterreich angeschlossen und dabei bleibt es ungefähr 100 Jahre. (B.Kojič, 0.Ljetopis 2).
Über das Lošinjer Seewesen gibt es viele Dokumente und Schriften. Die ersten sicheren Angaben über Schiffe und Seeleute aus Cres datieren aus dem Jahre 1803. Man erfährt, daß in diesem Jahr die Stadt Cres insgesamt 25 Segler, davon 23 Peliga, 1 Trabakula und 1 Bracera besaß. In derselben Zeit besaßen Lošinjer Schiffseigner 154 Segler, Veli Lošinj 33, Krk nur 9 und Rab 3.

Den Zeitraum von 1813 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kann man als das goldene Zeitalter der Seefahrt bezeichnen. In diesen Jahrzehnten wurden die Grundsteine für den Lošinjer Schiffsbau gelegt, der sich schon bald neben der Seefahrt zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig für die Bevölkerung von Lošinj entwickelte. Im Jahr 1827 gründet Sixto Katarinić in Mali Lošinj die erste größere Schiffswerft. Das erste erbaute Schiff war ein „Brigatin" mit einer Nutzlast von 300 Tonnen, getauft auf den Namen „Prvi Lošinjan" (Erster Lošinjer). Bis zum Jahre 1845 war die Werft der Familie Katarinic die einzige in Mali Lošinj. Kurz darauf entsanden neue Werften.Die Seeleute aus Lošinj befuhren schon damals die weitverzweigten Seefahrtslinien und nahmen regen Anteil am Welthandel.

So verkehrten sie mit den Häfen des Schwarzen Meeres, der Nordsee, Nord- und Südamerikas und natürlich denen des gesamten Mittelmeerraums.Die neu entstandenen Werften entwickelten sich gut, am besten aber die des Marco Martinolic. Jede der Werften hatte eine eigene Schmiedewerkstatt, außerdem spezialisierte Werkstätten, für Masten, Segel und Taue. Den Höhepunkt erlebte die Lošinjer Schiffahrt 1869, als die Schiffseigner aus Mali und Veli zusammen 127 Segler mit 73.860 Tonnen Nutzlast besaßen und Teilhaber an 23 Schiffen mit 6000 Tonnen Nutzlast waren. In diesen Jahren gab es auf Lošinj 6 Werften.

Genau zu diesem Zeitpunkt endet das goldene Zeitalter der Segelschiffahrt. Um 1880 gewinnt das Dampfschiff gegenüber dem Großsegler an Vorrang, was sich auch auswirkt auf die Gesamtschiffahrt auf den Weltmeeren. Das hatte katastrophale Folgen für den Lošinjer Schiffsbau. 1900 besaß die Lošinjer Flotte nur noch 6 Schiffe der Überseeschiffe und in den folgenden 10 Jahren blieb kein Schiff der „alten Flotte" mehr übrig.Einige Lošinjer Reeder, die weit­sichtig genug waren, sich rechtzeitig auf Dampfschiffe zu kon zentrieren,schlössen sich dem Handelszentrum in Triest an.. Die Folge des Untergangs der Sschifffahrt war, daß die Lošinjer Werften geschlossen wurden. 1895 wurde der letzte Segler in Lošinj gebaut.

Trotzdem hat der Schiffseigner Nikola Martinolić, Sohn des bereits erwähnten Marko Martinolić, den Lošinjer Schiffsbau zumindest teilweise gerettet, indem er die elterliche Werft übernahm und damit begann, Stahlsegler und kleine Küstendampfer zu bauen. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden in der Werft des Martinolić 29 kleine Dampfschiffe. Die Erfolgsperiode hielt an bis zum Beginn des 1. Weltkrieges.

In der Geschichte der Werften an der Ostküste der Adria nahm die Werft des Martinolić einen wichtigen Platz ein, da dieser den Übergang von Holz auf Dampfschiffe geschafft hatte.Im Gegensatz zu den Lošinjer Werften, die sich den weltweiten Veränderungen schnell anpassen mußten, waren in den übrigen Orten wie Cres, Martinscica und Nerezine diese Veränderungen nicht so stark zu spüren. Wie bereits erwähnt, entwickelte sich dort die lokale Küstenschiffahrt, deren Schiffe noch immer vom Wind angetrieben wurden. Das Gleiche galt auch für den Schiffsbau. Kleinere Werften überlebten, da diese kleinere Schiffe bauten und instand hielten.

In Nerezine entstand die erste Werft in der Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der österreichisch-ungarischen Herrschaft. Da die Nereziner schon früher in den Lošinjer Werften gearbeitet hatten, konnten diese gut geschulten Arbeitskräfte qualitativ gute Schiffe bauen. Die erste Werft in Nerezine lag in unmittelbarer Nähe des Hafens, nördlich des alten Rathauses, dem heutigen Restaurant „Televrin". Nach dem Ausbruch des 1. Welt­krieges wurde die Werft zwischen der Bucht „Lucića" und „Biskupia" umgesiedelt, wo sie sich heute noch befindet. Die erfolgreichsten Jahre für die Nereziner Werft waren die zwischen den zwei Weltkriegen. Damals besaß Nerezine die meisten Schiffe.

Die heutige Schiffswerft repariert Holzschiffe, sie ist der traditionellen Holzbauweise treu geblieben, (siehe Literaturhinweis)
In Cres gab es in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen die Schiffswerft „Josip Kraljeto (Craglietto), die sich an der Stelle der heutigen Werft befand und die Werft „Kiole" (Chiole), die östlich vom Franziskaner Kloster stand. Während des 2. Weltkrieges entstand noch eine Werft in Martinsćica, mußte aber nach einem Jahr wieder schließen. (siehe Literaturhinweis)
Die erkennbaren Überbleibsel des goldenen Zeitalters der Schiffahrt sind die schönen Kapitänsvillen, vor allem in Mali Lošinj und Veli Lošinj, und ebenfalls die reich geschmückten Kirchen.

Die heutige Schiffahrt hat einen anderen Charakter bekommen. Auch wenn heute noch auf der Insel zwei Schiffahrtsunternehmen entstanden sind, „Lošinjska Plovidba" aus Mali Lošinj und „ Creska Plovidba " aus Cres sieht man deren Schiffe seltener. Die moderne Schiffahrt wird diktiert von den harten Bedingungen der Weltwirtschaft und hat die traditionelle Schiffahrt völlig verändert. Früher konnte es passieren, daß ein Seemann alle 2-3 Jahre seinen Heimathafen anfuhr, heutzutage ist dem nicht mehr so. Die Arbeitsbedingungen haben sich im Vergleich zu früher gebessert, was ber nicht heißen soll, daß das Seemansieben leicht ist. Es gilt immer noch das alte Sprichwort, daß „das Meeresbrot sieben Krusten hat". Den Stürmen, den Winden und Wellen trotzen, das können nur mutige und stolze Männer, so wie die Seeleute eben.