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Volksbräuche

Jedes Dorf auf unseren Inseln hat seine eigenen Sitten und Bräuche entwickelt, die von Generation zu Gen­eration übertragen wurden und dem Ort und der lokalen Gemeinschaft eine besondere Atmosphäre und Eigenart verleihen. Jeder Ort hat einen Schutzheiligen, der mit Festen gefeiert wird. Im später folgenden Kalender sind alle Dorffeste mit den jeweiligen Schutzheiligen angeführt. Der Ort Nerezine ist eine Besonderheit unter den Siedlungen der Inseln, da hier die meisten Bräuche bis heute erhalten geblieben sind, trotz der Veränderungen in der Gesellschaft und Modeerscheinungen.

Das Weihnachtsfest: in den vorweihnachtlichen Abendstunden gehen die Jugendlichen zu Freunden, Verwandten und Nachbarn und singen die sogenannten „Kolede"'-Lieder, die etwa so beginnen: „ Wir sind vor die Haustür gekommen und zum reichen Hausheirn deshalb ist Weihnachten ein guter Tag fröhlich, fröhlich sei dieses Haus ". Auf dieses Lied hin läßt der Hausherr die Glückwünschenden hinein und bewirtet sie.

Die Karnevalszeit dauert vom Dreikönigsfest bis zur Fastenzeit. Es werden die sogenannten „maškare-krabulje" gefeiert bei der sich die Nereziner verkleiden, singend von Haus zu Haus gehen und ausgelassen feiern. Der Höhepunkt der närrischen Tage ist der Faschingsdienstag, wenn eine Strohpuppe verbrannt wird. An diesem Tag gehen eine Gruppe von Bewohnern von Haus zu Haus. Alles, was sie dabei bekommen, wie zum Beispiel Würste, Eier, Kuchen, Kekse, Wein und Schnaps muß noch am selben Tag gegessen und getrunken werden.

Am Abend wird im Dorf der alte Volkstanz „Milo drago" mit einheimischer Dudelsackbegleitung getanzt. Bei einbrechender Dunkelheit wird das Testament vorgelesen und eine Strohpuppe verbrannt. Sie symbolisiert das Unglück des vergangenen Jahres. Alle heutigen Bräuche sind eigentlich heidnischen Ursprungs, aber wurden später von der christlichen Kirche übernommen und im Laufe der Zeit auch verändert. So auch das „Mai"-Fest, einem alten, heidnischen Brauch der Slawen, bei dem die neue Sonne, Blumen, Frühling, Jugend und Schönheit gefeiert werden.

An diesem ersten Maiwochenende haben die jungen Männer Nachtschicht. Sie fällen in der Nacht einen Eichenbaum mit jungen Trieben und bringen ihn in die Mitte der Piazza. Dort wird er befestigt und mit vielen Tüchern und Taschentüchern behängt. Rund herum werden Blumentöpfe der jungen Mädchen aus Nerezine aufgestellt und zu guter letzt wird auch noch das Boot der diesjährigen Maikönigin herangeschleppt.